Sie verließ Chinas Konzernwelt, um in Thailand Hunde und Enten zu retten
Lerne Yidan kennen, das Herz hinter einem der gemütlichsten kleinen Farmstays in Thailand.

Yidan lebt ein Leben, von dem die meisten von uns nur träumen können – mit Bergblick aufwachen, ihr eigenes Essen anbauen und ein Bambushaus mit einer Familie geretteter Tiere teilen.
Aber das war nicht immer so.
Jahrelang arbeitete Yidan im Kryptomarketing in Peking und Shanghai und flog für Konferenzen um die Welt. Ihr Job brachte sie schließlich nach Bangkok, wo sie noch ein paar Jahre im Hamsterrad blieb. Dann kam COVID, und die Welt stand still.
Sie wusste das Landleben erst zu schätzen, als es verschwunden war

Yidan ist auf dem chinesischen Land aufgewachsen. Mit Stöcken angeln, auf Heuballen klettern – diese langsame, bodenständige Kindheit wusste sie erst viel später zu schätzen.
Als sie alt genug war, es zurückhaben zu wollen, war es verschwunden.
„COVID hat mich über die Vergangenheit nachdenken lassen“, sagt sie. „Mir wurde klar, dass ich so leben wollte wie damals in China. Aber ich konnte nicht, weil meine Heimat nicht mehr ländlich war. Es gab dort Starbucks und McDonald’s.“
Es ist eine besondere Art von Heimweh – die Sehnsucht, an einen Ort zurückzukehren, den es nicht mehr gibt. Die meisten, die das fühlen, leben einfach damit. Yidan begann, woanders nach so einem Ort zu suchen.
„Ist das wirklich die Art, wie ich mein Leben verbringen will?“

Als die Konferenzen aufhörten und auch das Reisen zum Stillstand kam, holte Yidan die Frage ein, vor der sie so lange davongelaufen war.
Sie begann, durch Thailand zu reisen. Zuerst die Inseln – diese Orte wie von der Postkarte. Dann zog es sie weiter nach Norden, in die Berge von Chiang Dao.
Der schlammige Boden. Der Geruch von Heu. Die Stille.
„Ich habe hier ein ähnliches Gefühl von Zuhause gefunden“, sagt sie. „Ich erinnere mich, dass ich dachte, ich könnte hier, in einem anderen Land, tatsächlich wieder wie ein Kind leben.“
Die Tiere fanden immer wieder zu ihr

Die erste war Lucky, ein Straßenhund in Bangkok, der eines Tages in ihr Taxi sprang und sich weigerte, wieder auszusteigen. Dann kam Baloo, ihr zweiter Hund. Dann Chestnut, die Katze. Dann Dumpling, ein Igel. Als sie aufhörte zu zählen, waren es acht.
Sie hat keine einfache Erklärung dafür. „Irgendwie finden sie immer wieder zu mir“, sagt sie, „und ich spüre zu jedem einzelnen eine Verbindung, deshalb bleiben sie.“
Was sie aber wusste: Sie brauchte ein richtiges Zuhause für sie — ein Stück Land, auf dem sie frei laufen konnten und auf dem auch sie selbst endlich ankommen konnte.
Ein Bambushaus, gemeinsam mit dem Dorf gebaut

2022 mietete Yidan ein kleines Stück Land in Chiang Dao und begann, von Grund auf ein Bambushaus zu bauen. Eine Zeit lang lebte sie mit Lucky in einem Zelt, direkt neben dem Platz, an dem ihr Traumhaus schließlich stehen würde.

Sie hat es nicht allein gebaut.
Die Tanten und Onkel aus dem Dorf zeigten ihr, wie man mit dem Land arbeitet, und halfen ihr, das Haus Stück für Stück zusammenzusetzen. Ganz nebenbei lernte sie Thai — erst langsam, bis ihr eines Tages klar wurde, dass sie fließend sprach.
Als das Haus fertig war, war sie nicht mehr nur eine Fremde, die zufällig dort lebte. Sie war jemand, für den das Dorf ein Zuhause gebaut hatte.
Ein Farmstay, fast zufällig

Was als persönlicher Rückzugsort begann, wurde nach und nach zu etwas Größerem.
Yidan öffnete den Ort als kleinen Farmstay – teils, um sich selbst zu unterstützen, teils, weil das Dorf Teil der Geschichte geworden war. Sie bezieht ihre Produkte aus der Gegend. Sie arbeitet mit den Dorfbewohnern zusammen. Sie bringt Einkommen in eine Gemeinschaft, die sie aufgenommen hat.
Jedes Jahr im Februar veranstaltet sie auf ihrem Land einen Bauernmarkt. Bäuerinnen und Bauern aus Chiang Dao sowie Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker aus den Bergdörfern kommen, um ihre Bio-Produkte und handgemachten Waren zu verkaufen.
Sie hat auch schon Ziegen bei der Geburt geholfen und mit einer lokalen NGO zusammengearbeitet, um die Sterilisation von mehr als 200 streunenden Tieren in der Gegend zu finanzieren. Ihr Bambushaus ist still und leise zu einem sicheren Zufluchtsort für Streuner geworden, die sonst nirgendwo hin können.
Sie machte sich auf die Suche nach einem Zuhause. Am Ende schuf sie eines für das Dorf – und nebenbei auch für ein paar hundert Tiere.
Übernachte bei Yidan

Ganz offen gesagt: Yidans Ort ist kein luxuriöser Rückzugsort. Das Bambushaus ist schlicht, die Tiere machen Dreck, und ländliches Leben in Nordthailand heißt, im Alltag ganz real auf manches an Bequemlichkeit zu verzichten.
Genau darum geht es. Wenn du bei ihr bleibst, wachst du mit Blick auf die Berge auf und dehnst dich am Lotusteich. Du isst Mahlzeiten direkt aus dem Garten, hilfst beim Sammeln oder kochst in der Küche mit, wenn du magst, und kommst auf dem Weg zu den heißen Quellen an watschelnden Enten und schlafenden Katzen vorbei. An manchen Abenden sitzt du mit Yidan und den Dorfbewohnern am Lagerfeuer und machst fast nichts.
Genau das macht am Ende einen großen Teil des Reizes aus.


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